Was sind Mangroven?
Mangroven sind salzwassertolerante Wälder an der Grenze zwischen Land und Meer, die dem Wechsel der Gezeiten ausgesetzt sind. Man findet Mangroven rund um den Erdball an tropischen und subtropischen Küsten mit Wassertemperaturen über 20° und entlang von Flussmündungen.
Aufgrund der extremen Bedingungen in der Gezeitenzone hat sich in Mangrovenwäldern eine Vielfalt an außergewöhnlichen, hoch spezialisierten Lebensformen entwickelt.
Je nach Standort sind die Bäume klein und buschartig oder sie entwickeln sich zu Baumriesen von bis zu 30 m, wie in Regionen um den Äquator. In den schlammigen Böden finden ihre Wurzeln kaum Sauerstoff für die Zellatmung, daher besitzen Mangrovenbäume zusätzlich ein dichtes, oberirdisches Wurzelsystem.
Viele Mangrovenarten sind „lebendgebärend“: Die Samen keimen noch in der Frucht auf der Mutterpflanze. Die schwimmfähigen Keimlinge werden dann mit der Meeresströmung verdriftet, bis sie an günstigen Standorten Wurzeln bilden.
Mangroven weltweit
Mangroven (rot markiert) kommen auf allen Kontinenten entlang des Tropengürtels vor.
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Was leisten Mangroven für Mensch und Umwelt?
Neben Korallenriffen und tropischen Regenwäldern zählen Mangroven zu den produktivsten Ökosystemen unserer Erde. Für Millionen von Menschen, die in ihrer Umgebung leben, sind sie von großer Bedeutung. Die lokale Bevölkerung versorgen sie beispielsweise mit Holz und Nahrung wie Fische, Krabben, Früchte oder Honig.
Mangrovenwälder sind Lebensraum oder Kinderstube für zahlreiche Fische und Krebse, die zum Teil auch auf unseren Tellern landen. Den Fischen bietet das dichte Wurzelwerk Schutz vor Fressfeinden. Auf den Wurzeln leben unter anderem Schnecken, Austern, Seepocken und Schwämme.
Mangroven schützen die Küsten vor Sturmfluten und Erosion sowie die Küstengewässer vor Verschmutzung. Global wirken sie dem Klimawandel entgegen, da sie große Mengen an Kohlenstoff in ihrer Biomasse und insbesondere im Sediment speichern.
Wie bedroht sind Mangroven?
Weltweit bedecken die Mangrovenwälder heute eine Fläche von knapp 140.000 km², das ist etwas weniger als die Hälfte der Fläche Deutschlands. Durch menschliche Aktivitäten und deren Folgen sind sie jedoch stark bedroht. In den vergangenen 50 Jahren ist schätzungsweise die Hälfte aller Mangrovenflächen verloren gegangen.
Die Hauptursachen für den Kahlschlag von Mangroven sind die industrielle Nutzung von Holz, der Bau von Siedlungen, Industrie- oder Hotelkomplexen sowie die Anlage von Garnelenzucht-Teichen und auch von Ölpalm-Plantagen.
Schleichender zerstören Verschmutzungen aus Industrie, Landwirtschaft oder Siedlungen die Wälder. Ob und wie Klimawandel oder Meeresspiegelanstieg sich auf Mangrovenwälder auswirken, ist noch ungewiss.
Mittlerweile bemühen sich viele Länder, Mangroven zu schützen und –wo möglich–wieder aufzuforsten, und es mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Mangroven langsamer zurückgehen oder regional sogar zunehmen.
Warum erforschen wir Mangroven?
Um Ökosysteme effektiv schützen und zugleich nachhaltig nutzen zu können, müssen wir sie verstehen. Daher untersuchen wir, wie die Lebensgemeinschaften von Mangrovenwäldern durch ihre Umwelt und die Aktivitäten des Menschen beeinflusst werden.
Durch Langzeituntersuchungen von Mangrovenwäldern, die unter verschiedenen Umwelt- und Nutzungsbedingungen existieren, sind wir in der Lage, Vorhersagen zu machen: Wie verändern sich ihre Tier-, Pflanzen- und Mikroben-Gemeinschaften, wenn sich ihre Umwelt verändert? Welche Leistungen für Umwelt und Mensch kann das Ökosystem Mangrove dann noch erbringen?
Hieraus ergeben sich Empfehlungen für die Entwicklung von Schutzgebieten und die nachhaltige Nutzung der Mangroven, um dieses wertvolle Ökosystem für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Neben klassischen Freiland- und experimentellen Studien setzen wir auch moderne Methoden der Molekular- und Mikrobiologie und der Chemie ein. Satellitenaufnahmen und der Einsatz von Drohnen unterstützen uns bei der körperlich harten und anspruchsvollen Arbeit in den feuchtheißen Mangrovengebieten.